1. Welche konkreten Verbesserungen für den Radverkehr in der Stadt Wolfenbüttel möchten Sie als Bürgermeister bis zum Ende der Wahlperiode (also bis 2014) erreichen?
Brix: Das wichtigste Ziel - so allgemein es klingen mag - ist, den Radverkehr als gleichberechtigten Verkehr anzuerkennen und nicht dem Kraftfahrzeugverkehr unterzuordnen. Die konkreten Maßnahmen der Umsetzung sind: Deutliche Entschleunigung des motorisierten Verkehrs durch weitestgehende Abschaffung aller Verkehrszeichen und der gleichberechtigten Aufteilung des Verkehrsraumes für alle Verkehrsteilnehmer (übrigens auch des Fußverkehres!). Drachten in den Niederlanden und Bohmte in Deutschland sind Beispiele des "Shared Space Projektes" der EU. Drachten hat die Verkehrsregelung bereits umgestellt und Bohmte ist das erste Projekt in Deutschland, das diesen Weg beschreiten will. Für Wolfenbüttel sind es die Innenstadt und die großen, zusammmenhängenden Wohnquartiere wo die Umsetzung dieser Idee begonnen werden soll. Wenn Wolfenbüttel eine Stadt des Wohnens, der Bildung und Kultur sein will, braucht sie das Fahrrad als leises, abgasfreies, intelligentes Verkehrsmittel.
Für den Radverkehr bedeutet dies, dass er nicht auf zu schmale getrennte Radwege verbannt wird, sondern die Straße gleichberechtigt mit Autos nutzt. Das wird nicht sofort und nicht überall gleichzeitig umsetzbar sein. Daher muss auch der bisherige Weg den Radverkehr attraktiver machen weiter verfolgt werden: Kreuzungen müssen radverkehrsfreundliche Ampelschaltungen bekommen und eine entsprechende Führung der Radfahrenden ohne sie durch Verschwenkungen und fehlende Aufstellflächen zu benachteiligen oder zu gefährden. An einzelnen Straßen gehören dazu auch getrennte Radwege. Dies muss aber innerstädtisch die Ausnahme sein, während außerhalb der Ortschaften endlich die Radwegelücken zu schließen sind (Beispiel: Kernstadt - Salzdahlum).
Dass ich z.B. für vernünftige und ausreichende Abstellanlagen eintrete ist selbstverständlich. Es gibt noch mehr solcher "Kleinigkeiten", die nur des Anpackens und vor allem des "Miteinanderredens" bedürfen, um sinnvolle Lösungen für die Radfahrenden zu finden.
2. Sind Sie bereit, nachfolgende Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs von Seiten der Stadtverwaltung durchzuführen bzw. effektiv zu unterstützen?
Brix: Obwohl ich mir von der Kartengrundlage her einen Stadtplan für alle wünsche, ein deutliches "Ja" zum Radfahrerstadtplan. Leider vernachlässigen derzeitige kommerzielle Stadtplane die für den Radverkehr so wichtigen und attraktiven "Schleichwege", die der ADFC in Wolfenbüttel ja auch in seinen Schleichwegetouren regelmäßig vorstellt. Ich würde eine Zusammenarbeit des ADFC mit dem Stadtmarketing (Tourismus) begrüßen und fördern.
Eine Image-Kampagne für das Rad fehlt seit langem und nützt allen. Es sind die Hemmschwellen im Kopf des einzelnen, die ihn zögern lassen, das Rad zu benutzen. Es gilt auch hier die Zusammenarbeit zwischen ADFC und "Stadt" anzuschieben bzw. zu verbessern. Ich trete also für eine gemeinsame Kampagne ein!
Das Radverkehrskonzept muss weiter- aber auch umgeschrieben werden. Es finden sich zu viele im Sinne meiner Antwort auf Frage 1 "veraltete" Ansätze darin. Das Radverkehrsnetz ist prinzipiell das Straßennetz plus zusätzlicher Verbindungen, die dem motorisierten Individualverkehr (MIV) nicht zugänglich sind.
3. Wann, wo und wofür benutzen Sie persönlich das Fahrrad?
Brix: Ich bin Alltags-Radfahrer, der es praktisch mag. Das heißt, ich benutze meine Fahrräder für Besorgungen innerhalb der Stadt (auch gern mit Anhänger) und unregelmäßig für Fahrten nach Braunschweig zur Arbeit. Da ich häufig an wechselnden Orten arbeite, bin ich begeisterter Fahrer eines Brompton-Faltrades, das man kostenlos auch im IC oder ICE mitnehmen kann und das mich im Verbund mit der Bahn schnell ans Ziel bringt, ohne auf Anschlussverkehrsmittel zu warten oder gar einen Parkplatz suchen zu müssen. Bis auf wenige Ausnahmen sehe ich das Rad als Verkehrsmittel an, nicht als Freizeitgerät, obwohl ich auch zusammen mit der Familie mal eine Radtour aus Selbstzweck unternehme, doch meistens sind wir mit dem Rad zielgerichtet unterwegs und genießen die Fahrt sozusagen nebenbei.