Dieser Fragebogen wurde am Freitag, 2006-08-11 in der Braunschweiger Zeitung - Wolfenbütteler Zeitung und Anzeiger moderat gekürzt veröffentlicht. Hier lesen Sie die ungekürzte Fassung.
Wie sähe Wolfenbüttel aus, wenn Sie alles nach Ihrem Willen gestalten könnten?
Wolfenbüttel wäre eine Stadt, die von ihren Bürgerinnen und Bürgern gelebt und geliebt würde. Wohnen und Arbeiten wären räumlich näher, als dies heute der Fall ist. Die Versorgung der Wolfenbütteler wäre durch Märkte in Wohnortnähe sichergestellt, man bräuchte nicht auf die "grüne Wiese" zu fahren. Die Verbindung zwischen Handel und historischer Altstadt würde offensiver genutzt. Der Branchenmix wäre so, dass man das allermeiste vor Ort kaufen könnte, besonders Jugendliche fänden ein größeres Angebot vor und müssten nicht nach Braunschweig fahren. Die Verkehrsprobleme zumindest der Innenstadt wären gelöst, es gäbe keine Verkehrsschilder und Ampeln mehr, nur Kreisverkehre und ein Miteinander der Verkehrsteilnehmer. Der ÖPNV wäre kostenlos. Das Potenzial der Menschen kann sich entfalten, sie achten sich und andere und gewinnen endlich wieder ein Bewusstsein für das Lebensrisiko. Ein herunterfallender Ast wird nicht als Begründung für Kahlschlag angesehen und ein voller Mülleimer löst keine Meckerei "Man müsste mal ..." aus, sondern eine Handlung, die sich des Problems annimmt.
Was reizt Sie am Beruf des Politikers/hauptamtl. Bürgermeisters?
Die Macht, mitgestalten zu können und die Herausforderung, sich davon nicht korrumpieren zu lassen.
An welchem Ort sind Sie am liebsten?
Auf unserer noch nicht fertigen Terrasse im Hinterhof unseres Hauses. Man merkt fast nichts von der Stadt und ist doch mittendrin und zu Hause. Das ist sehr entspannend.
Was kochen Sie gerne?
Als Petzi-Fan backe ich gerne Pfannkuchen für meine Söhne. Ein sanft gebeizter Rinderbraten mit Kartoffelknödeln und Rotkohl dagegen ist das Richtige für den Beginn eines konspirativen Abends mit Freunden.
Gibt es Prinzipien, denen Sie auch gegen den Willen der Mehrheit treu bleiben?
Ja, ich nenne es gern den kategorische Imperativ der praktischen Politik: Sorge für eine Gesellschaft, in der du morgen früh an einer beliebigen Position aufwachen könntest, ohne Existenzangst haben zu müssen. - Wer danach handelt, achtet Menschenrechte und den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen.
Welche Ereignisse haben Sie entscheidend geprägt?
Menschliches: Der frühe Tod meiner Mutter und die Geburt meiner Kinder.
Was sagen Ihre Freunde über Sie?
Sie sagen ich sei einer, der anpackt, hilfsbereit und praktisch ist. Außerdem behaupten sie, ich hätte Humor und sei ein bisschen eingebildet. - Natürlich haben sie Recht!
Und Ihre Gegner?
Die politischen: Schade, dass er nicht bei uns ist.
Welchen Fehler würden Sie gerne ungeschehen machen?
Keinen. Denn wahrscheinlich haben mich die vielen kleinen und größeren Fehler, die ich gemacht habe, davon abgehalten, einen wirklich großen zu begehen. Außerdem formt die Erfahrung aus Fehlern maßgeblich die Person.
Wann sagen Sie von sich: Jetzt bin ich zufrieden?
Mhm. - Ich bin mit meinem Leben im Reinen. Und natürlich bin ich nicht unzufrieden, wenn ein anstehendes Problem gut gelöst ist. Oft bin ich dann sogar begeistert. Ich genieße den Augenblick, aber wirklich zufrieden bin ich nie. Zufriedenheit macht antriebslos.
Welchen Menschen und welche Bücher würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?
Weil meine Kinder und meine Frau mir wichtig sind, würde ich sie niemals unter meiner Verbannung leiden lassen. Also, Menschen: Jörg Röhmann und Manfred Koch, damit Jan-Christian Müller Landrat werden kann. Bücher: Überleben ums Verrecken von Rüdiger Nehberg, Goethes Faust, Ulysses von James Joyce und die Bibel in Einheitsübersetzung.
Welches Ereignis der Geschichte hätten Sie gerne miterlebt?
Ich habe es miterlebt, wäre aber gern "näher dran" gewesen: die Mondlandung (die den Verschwörungstheorien zum Trotz wirklich stattgefunden hat!).
Glauben Sie an Gott? (Wenn ja: Warum? Wenn nein: Woran glauben Sie?)
Nein. Ich bin nichtmissionierender Atheist, obwohl ein Freund mich als "anonymen Christen" bezeichnet. Aber das liegt an den kulturellen Einflüssen, denen ich ausgesetzt bin und daran, dass ich die allermeisten christlichen Werte teile. Allerdings begründe ich sie nicht mit Gott, sondern der Überzeugung, dass sie der Gesellschaft gut tun.
Welche menschliche Schwächen stören Sie am meisten?
Starrsinn und der unbedingte Glaube an kleinlichen, argumentativ nicht zu begründenden Vorschriften.
Wer sind Ihre Vorbilder?
Ich habe nur Eigenschaften von Menschen als Vorbild, keine Personen. Aber wenn ich das konkretisieren müsste vielleicht ein Mischung aus Carl-Friedrich von Weizsäcker, Bill Clinton und MacGyver.
Warum soll man ausgerechnet Sie wählen?
Weil ich der Kandidat der bürgernahen Politik bin und keine Klientel bedienen muss. Für mich stehen Menschen im Vordergrund und zwar alle und nicht diejenigen, die am lautesten schreien (können). Das heißt nicht, dass ich es allen Recht machen will, das ist unmöglich. - Ich kann auch unpopuläre Probleme anpacken, stehe für neue Ideen und bin ein sehr umfassend informierter Mensch und kein bloßer Verwalter.
Bitte vervollständigen Sie:
Frauen sind in unserer Gesellschaft ... immer noch an zu wenigen (oder zu wenig wichtigen) Entscheidungen beteiligt
Männer sind ... daran Schuld
Meine größte Stärke ist ... Probleme grundlegend zu lösen und nicht die Symptome zu behandeln
Meine größte Schwäche ... Dinge auf den letzten Drücker zu erledigen
Politikverdrossenheit ist ... leider eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Wer sagt "Die da oben machen doch sowieso was sie wollen!", hat schon kapituliert. Auch wenn es sich etwas platt anhört, man muss es immer wieder betonen: "Der Staat (die Stadt!) ist das, was jeder Einzelne daraus macht!"
Wolfenbüttel ist ... die beste Stadt der Welt, auch weil objektive Gründe dafür sprechen, aber vor allem weil sie meine Heimat ist.
(Bündnis 90/ Die Grünen)
Stefan Brix wurde 1964 in Wolfenbüttel geboren. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne aus den Jahren 1999 und 2000, sowie eine 16-jährige Stieftochter und einen erwachsenen Stiefsohn. Er wohnt in der Innenstadt. Nach dem Abitur am THG, leistete er seinen Wehrdienst in Clausthal-Zellerfeld und studierte danach Elektrotechnik und Philosophie in Braunschweig. Er machte sich früh selbstständig und arbeitet als freiberuflicher Dozent für Elektro-, Informations- und Automatisierungstechnik. Er betreut im Auftrag vom Bildungsinstituten Auszubildende und Umschüler, bildet Industriemeister aus und ist im Auftrag von Firmen in der Mitarbeiterschulung tätig. Außerdem projektiert und programmiert er Automatisierungsanlagen.
Zur Politik kam Brix über die verkehrspolitische Arbeit im Verkehrsclub Deutschland (VCD), dessen Kreisverband Wolfenbüttel er als Gründungsmitglied begleitete. 1996 trat er den Grünen bei und wurde im selben Jahr in den Rat der Stadt Wolfenbüttel gewählt. Besondere Aufmerksamkeit widmete er dem Bauausschuss, er war Mitglied im Aufsichtsrat der Abwasserentsorgung Wolfenbüttel GmbH und Beigeordneter im Verwaltungsausschuss. Brix war der erste Ratsvorsitzende Wolfenbüttels nachdem der Bürgermeister hauptamtlich geworden war und gehörte dem Rat bis 2001 an. Seitdem ist er weiterhin im Bauausschuss als Bürgermitglied aktiv. Bei den Wolfenbütteler Grünen ist er Vorstandsmitglied des Stadtverbandes.
Seine politischen Schwerpunkte sieht er in den Arbeitsfeldern Wirtschaftsförderung (besonders Handel in der Innenstadt und Gewerbepark West), Bau und Verkehr, sowie Angebote für Kinder und Jugendliche.
2006-08-01