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Fragen der “Herzog-Postille“ an die Wolfenbütteler Bürgermeisterkandidaten

Antworten von Stefan Brix

1. Bitte stellen Sie sich den Kolleginnen und Kollegen vor und schildern Sie kurz Ihren beruflichen Werdegang. Was unternehmen Sie in ihrer Freizeit?

Ich bin 42 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Söhne aus den Jahren 1999 und 2000, sowie eine 16-jährige Stieftochter und einen erwachsenen Stiefsohn. Wir wohnen in der Innenstadt und sind allesamt überzeugte StädterInnen. Ich habe Elektrotechnik und Philosophie studiert, mich aber sehr früh selbstständig gemacht und arbeite als freiberuflicher Dozent für Elektro-, Informations- und Automatisierungstechnik. In meiner Freizeit saniere ich (immer noch) unser altes Fachwerkhaus, verbessere dabei meine handwerklichen Fähigkeiten und entspanne mich bei Baumarktbesuchen. Außerdem versuche ich meine Kinder für die Dinge der Welt zu begeistern und zum Staunen zu bringen. Nebenbei lese ich sehr viel, berufsbedingt viele Sachbücher, doch gern auch Belletristik mit gut recherchiertem Hintergrund (Favorit des Jahres bis jetzt: „Der Schwarm“).

Stefan Brix - Bürgermeister für Wolfenbüttel

2. Was lieben Sie an Wolfenbüttel und warum möchten Sie dort Bürgermeister werden?

Wolfenbüttel ist eine kleinteilige Stadt mit liebenswertem Charakter. Sie ist alt und jung zugleich, außerdem familiär. Ein guter Grund hier Bürgermeister zu werden ist, dies positive Bild auch den Bewohnern der Stadt stärker zu vermitteln und es von der institutionellen Verwaltungsseite her vorzuleben. - Ja, ich bin Lokalpatriot.

3. Wo sehen Sie die Schwerpunkte Ihrer Arbeit als Bürgermeister?

In der vorherigen Frage klang es an: Wolfenbüttel fehlt es an Aufbruchstimmung. Kleinigkeiten hindern den einzelnen Bürger daran, sich direkt mit der Stadt (zugleich als "Verwaltung" und "Lebensraum" gedacht!) zu identifizieren. Wenn ich mit "Bürgermeister mit Ideen" werbe, dann meine ich es auch so! - Wenn es um die Verbesserung der Lebensqualität in unserer Stadt geht, dann darf es keine Denkverbote geben, sondern einen Wettstreit um das Bessere. Ich möchte eine Fragekultur etablieren: Wie kann man das Ansehen von, das Gefühl für, die Dienstleistungen in Wolfenbüttel verbessern? Patentrezepte vorzugeben, erstickt Verbesserungen schon im Keim.

Meine konkreten Schwerpunkte sehe ich den Arbeitsfeldern Wirtschaftsförderung (besonders in der Innenstadt), Bau und Verkehr, sowie Angebote für Kinder und Jugendliche.

4. Welche Veränderungen kommen mit Ihnen als Bürgermeister auf die Stadtverwaltung und die Kolleginnen und Kollegen zu?

Bevor ich diese Frage beantworten kann, müsste ich prüfen und wissen wie Axel Gummert mit Ihnen zusammenarbeitet. Denn ein guter Umgang muss ja nicht gleich verändert werden. Generell möchte ich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch Argumente von meinem Führungsstil und von meiner politischen Linie überzeugen und nicht von oben herab anweisen, obwohl dies sicher auch passieren wird.

Eine Änderung wird es aber ganz sicher geben: Wenn die Verwaltung (ich eingeschlossen) Fehler macht, dann werden diese eingestanden und offensiv aufgearbeitet und ganz sicher nicht jahrelang als „Altlast“ gepflegt.

5. Wie wollen Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter motivieren und herausragende Leistungen honorieren? Wird es Leistungsanreize geben?

Die Motivation von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sollte sich aus dem gemeinsamen Anliegen, etwas für die Stadt Wolfenbüttel zu tun ergeben. Daher gehe ich davon aus das sie prinzipiell vorhanden ist. Das im Einzelnen auch Unzufriedenheit, ob des Arbeitsplatzes, des Arbeitsgebietes oder persönlicher Probleme vorzufinden sein wird, ist mir klar. Hier gilt es dann nicht den Menschen an seinen Arbeitsplatz anzupassen, sondern umgekehrt die Bedingungen des Arbeitens zu verbessern.

Das Honorieren hervorragender Leistungen, also auch Leistungsanreize sind dafür sicherlich ein Mittel. Grundsatz ist aber, dass Gehalt/Lohn/Sold so ausgestattet sein müssen, dass es zum Leben reicht. Lohnsenkung, um dann Anreize zu setzen, halte ich für falsch. Allerdings bin ich mir der Grenzen, die mir dabei als Bürgermeister gesetzt sind, sehr wohl bewusst. Wie darüber hinaus Leistungsanreize aussehen können, sollte auch in Absprache mit dem/der jeweiligen Mitarbeiter/in besprochen werden.

6. Wie stehen Sie zu Zielvereinbarungen? Werden Sie diese einführen?

Zielvereinbarungen können ein gutes Instrument zur Verbesserung von Arbeitsabläufen sein. Allerdings haben sie nur dann einen Sinn, wenn sie gemeinsam mit den Beteiligten erarbeitet werden und umsetzbar sind. Wenn sie meine Schwerpunkte (Frage 3) teilen und als eine Art Grobziel betrachten, dann sollte und kann es möglich sein auf dieser Basis Feinziele den Arbeitsgebieten entsprechend zu formulieren und umzusetzen. Aber Vorsicht: Unsinnige, überzogene oder unverständliche Zielvereinbarungen können das Gegenteil bewirken. Darum ist es für mich selbstverständlich auf Ihr Wissen zurückzugreifen. Zielvereinbarungen um der Zielvereinbarungen willen wird es mit mir nicht geben.

7. Was verstehen Sie - auf die Stadtverwaltung Wolfenbüttel bezogen - unter Verwaltungsmodernisierung?

Ich fange mal damit an, was ich unter Modernisierung nicht verstehe: nämlich Verschlankung. Wolfenbüttel hat ein gutes Mitarbeiter/Einwohner-Verhältnis. Heute sind bereits Grenzen erreicht, die sich in einigen Abteilungen darin äußern, dass sich Kapazitäten und Ansprüche nicht mehr decken. Fremdvergaben mögen sich manchmal auf den ersten Blick rechnen, allerdings muss genauer untersucht werden, ob sich daraus ergebene Folgekosten nicht negativ auswirken. Das Bürgeramt macht vor, was ich mir für weitere Abteilungen der Verwaltung wünsche. Positives Image durch einfache, kundenfreundliche Strukturen, schnelles Handeln oder sich auch mal die Zeit nehmen den Bürgerinnen und Bürgern zu erklären, warum etwas gerade nicht geht, sind Ziele (s.o) die nur bei ausreichender Kapazität erreichbar sind.

8. Stichwort Haushaltskonsolidierung: Was tun?

Der Haushalt ist aus eigener Kraft der Kommune nicht zu sanieren, wenn man nicht "Tafelsilber" verkaufen möchte, was ich entschieden ablehne. Wichtig ist aber, sich nicht auf immer neue finanzielle Abenteuer einzulassen, die große Folgekosten produzieren, aber dem einzelnen Bürger und damit der Stadt nur wenig nützen. Um es deutlich zu sagen: Kultur findet nicht nur in einer Landesmusikakademie und im Lessingtheater statt. Beide Projekte mögen einen Nutzen für das "Image" Wolfenbüttels haben, was sicher von Bedeutung ist. Die unmittelbare Bedeutung für die Bürgerinnen und Bürger ist wahrscheinlich sehr gering. Das heißt nicht, dass ich gegen beide Projekte sei, aber es heißt, dass ich beide Projekt für weit überschätzt und viel zu teuer halte.

Allerdings bin ich bereit, zur Verfolgung meines Zieles ein lebenswerteres Wolfenbüttel zu schaffen, auch in angemessener Form Geld in die Hand zu nehmen.

9. Planen Sie bisher von der Stadt wahrgenommene Aufgaben auszugliedern bzw. zu privatisieren? Werden neue Aufgaben auf die Verwaltung zukommen (Gebäudemanegement, BID etc.)?

Eine Privatisierung im Bereich der Daseinsvorsorge lehne ich strikt ab. Die Gewinnerzielungsabsicht Privater steht dem Gemeinwesen fast immer entgegen. Dennoch sind neue Aufgaben sehr wahrscheinlich und auch Ausgliederungen in Eigengesellschaften sind selbstverständlich kein Tabu. Gebäudemanagement kann solch ein Bereich sein, aber das bedarf genauerer Analysen, als ich sie aus meiner augenblicklichen Position leisten kann. Die Verwaltung eines BID muss nicht unbedingt von der Stadt gemacht werden. Wichtiger ist die politische Begleitung dieser Unternehmung, die übrigens das genaue Gegenteil einer Privatisierung ist!

10. Sie treten am 1.11.06, einem Mittwoch, Ihr Amt an. Was wäre Ihre erste Amtshandlung?

Ich werde pünktlich zum Dienst erscheinen, jedem einen "Guten Morgen" wünschen, mein Zimmer betreten, (ausnahmsweise) die Tür schließen, mich in den Sessel setzen, die Füße (vorsichtig) auf den Schreibtisch legen und laut: "Ja! – Ja! – Ja!" ausrufen. Dann wird sicher eine kurze Dezernentenrunde folgen, danach werde ich einen Rundgang durch das Rathaus machen und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter persönlich begrüßen. Damit sollte der Tag ausgefüllt sein. Die Nacht werde ich verwenden, um die Namen zu lernen, die ich noch nicht kannte.

11. Kurz und knapp: Warum sollen die Kolleginnen und Kollegen Sie (und nicht Ihre Mitbewerber) wählen?

Weil ich ein arroganter Sack bin, der überdurchschnittlich intelligent und sehr gerecht ist, außerdem einen offenen Diskussionsstil verfolgt und Argumente vor Meinungen stellt. Ich habe keine Klientel zu bedienen, gehe frei an die Aufgaben des Bürgermeisters und bin deshalb die beste Wahl.

2006-07-27


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