1. Wo sind Sie zur Schule gegangen?
Wilhelm-Raabe-Schule,
Orientierungsstufe Ravensberger Straße (heute Lessing Realschule) übrigens die beste Schulzeit meines Lebens (motivierteste Lehrer, beste Einrichtungen, Unterrichte zum Mitmachen ...),
Theodor-Heuss-Gymnasium
2. Was verbinden Sie mit Ihrer Schulzeit? An welches herausragende Ereignis erinnern Sie sich?
Eigenartigerweise sind mir Aktivitäten des von mir ansonsten wenig geschätzten Kunstunterrichtes in sehr guter Erinnerung: Das Anfertigen von Skulpturen, die noch heute, nach mehr als 20 Jahren auf dem Schulhof stehen sowie das "Drehen" einer Tondiaschau. Außerdem die Kursfahrt in der 12. Klasse nach Prag (damals noch "Ostblock").
3. Wie wollen Sie die Gymnasien beim Umbau zur eigenverantwortlichen Schule unterstützen?
Als Bürgermeister werde ich die gewählten Profile und Schwerpunkte der Gymnasien unterstützen. Und zwar dadurch, dass (im Rahmen des Haushaltsmöglichen) die dazu notwendigen Voraussetzungen baulicher Natur sowie Ausstattungen geschaffen werden. Ein Instrument ist die vollständige Budgetierung des Schulhaushaltes, der dann von der Schule eben eigenverantwortlich geführt (und von der Stadt kontrolliert) wird.
Allerdings hege ich solange Zweifel an der Eigenverantwortlichkeit der Schule, solange sie dem unter diesem Namen zu Gesetz gewordenen Rahmenbedingungen gehorchen muss. Rest der Antwort siehe 4.
4. Wie stehen Sie zur angemessenen Beteiligung von Eltern und Schülern an den Entscheidungen in den Gymnasien?
Grundsätzlich ist die Beteiligung wichtig, weil man zu einem gemeinsamen Ziel kommen will. Die eigenverantwortlichen Schule beteiligt aber nur "am Rande".
Daher beantworte ich diese Frage mal als fiktiver Landespolitiker (weil im Augenblick nur der zuständig ist): Eine wirklich eigenverantwortliche Schule hat vollständige Personalhoheit, eine Schulleitung, die sozusagen der Vorstand ist und einen Aufsichtsrat aus Lehrern, Eltern, Schülern und politischen Vertretern. Beide führen die Schule und sind ihr verantwortlich und entscheiden im demokratischen Prozess über Wohl und Wehe der Schule. Allerdings muss man sich auch über die Nachteile eines solchen Systems im Klaren sein: Völlig freie Entscheidung der Eltern, welche Schule das Kind besucht, dadurch Infrastruktur- und Verkehrsprobleme, evtl. der "Absturz" einer Schule aus der Gunst der Eltern und Schüler. Die Vorteile wiegen aber ebenso schwer: Evtl. Fehler werden sehr viel schneller korrigiert als heute. Die Schulen stehen (trotz Staatlichkeit!) im Wettbewerb.
5. Wie planen Sie, dem Doppeltabschlussjahrgang 2011 eine Perspektive für Ausbildung oder Studium vor Ort zu geben?
Um der Wahrheit die Ehre zu geben, halte ich jegliche Bemühungen eines Bürgermeisters in dieser Sache für wenig aussichtsreich. Natürlich könnte "die Stadt" im Jahr 2011 mehr Ausbildungsplätze anbieten und auch in den ansässigen Betrieben darum werben, mehr Auszubildende als sonst aufzunehmen. Das will ich gerne tun, doch sehr wahrscheinlich ist der Erfolg solcher Maßnahmen nicht. Auf Landeseinrichtungen wie Universitäten hat eben nur das Land Einfluss, das die Situation ja durch die m.E. verfehlte Schulpolitik verursacht hat.
6. Wie können Sie sich eine sinnvolle Vernetzung der Schulen, Hochschule und Ausbildungsbetrieben in Wolfenbüttel vorstellen?
und
11. Wie sehen Sie die Möglichkeiten einer Vernetzung von Schulen mit Bibliotheken, Museen und Vereinen?
Gemeinsame Antwort für beide Fragen: Prinzipiell gut, doch muss die Initiative von der Schule ausgehen, bzw. der Bibliothek, dem Museum, dem Verein. Für städtische Einrichtungen liegt es in der Macht des Bürgermeisters dieses zu befördern, für alle anderen aber eben nicht. Ich glaube auch nicht, dass es möglich ist eine "Vernetzung" zu "befehlen", sie muss sich langfristig entwickeln, die beteiligten Partner müssen es wollen und auch bereit sein, sich "aneinander abzuarbeiten", gerade wenn es um erfolgreiche, selbstständige Arbeit der Schüler geht.
Als Bürgermeister bin ich gern bereit, Kontakte zu knüpfen, gelebt werden müssen diese von den Partner selbst.
Wie so etwas funktioniert, haben die Projekte mit der Zeitung ZiSch und Schulz gezeigt und natürlich sind Berufspraktika während der Schulzeit eine Basis, die ausgebaut werden muss.
7. Wie kann der Bürgermeister die Sicherheit des Schulweges verbessern?
In dem er den Autoverkehr deutlich "entschleunigt" (vulgo: bremst). Es gibt ein verkehrsgerechtes Kind ebensowenig wie den verkehrsgerechten Autofahrer oder Radfahrer oder Fußgänger. Jeder macht Fehler. Daher ist das System so gestalten, dass Fehler verzeihlich werden und der Verkehr menschlicher. Das Rezept dazu lautet für die Innenstadt (Okerumflut) und für Wohngebiete: Tempo 30, rechts vor links, Kreisverkehre und keine weiteren Verkehrszeichen (keine Ampeln, keine Fußgängerüberwege, keine Radwege). Mit dem Auto überall hin =können= (nicht müssen), aber langsam, dafür ohne Staus. Zu Fuß und mit dem Rad die Stadt frei erleben (und nicht an den Rand gedrängt). Beides partnerschaftlich und dadurch sicher (weit sicherer als jede Trennungsmaßnahme der Verkehrsteilnehmer). Nebenbei viel preiswerter als heute. Beispiel: Drachten (NL).
8. Welche Vorschläge haben Sie zur Entschärfung der Verkehrssituation an den Schulen während der Stoßzeiten?
Siehe 7. und 9. Außerdem mit dem Appell, die Kinder nicht mit dem Auto zu bringen oder abzuholen. Viel mehr ist nicht machbar, denn die Entzerrung der Anfangs- und Schlusszeiten läuft einer verlässlichen Ganztagsbetreuung zuwider.
9. Wie stehen Sie zur kostenlosen Schülerbeförderung mit öffentlichen Verkehrsmitteln?
Für das Stadtgebiet "gut", sogar "sehr gut", obwohl es tatsächlich nicht "kostenlos" wird. - Da ich prinzipiell der Ansicht bin, dass Nahverkehrsmittel für den Nutzer sich als kostenlos darstellen sollten und der heutige Aufwand des Fahrscheinverkaufs, Kontrolle, Tarifgestaltung angesichts des betriebenen Aufwands wenig einbringt, aber dafür die Hemmnisse der Benutzung des ÖPNVs stark vergrößert, sollte der ÖPNV innerhalb des Gemeindegebietes Wolfenbüttels pauschal "kostenlos" erfolgen. Darin ist der Schülerverkehr natürlich enthalten.
Für den Landkreis ist solch eine Lösung zwar auch denkbar, aber etwas schlechter zu finanzieren, außerdem ist dies nicht die Aufgabe des Bürgermeisters. Die Zusammenarbeit von Stadt und Landkreis wird sich aber mit Jan-Christian Müller (als Landrat) und Stefan Brix (als Bürgermeister) erheblich verbessern.
10. Welche Unterstützung können Sie den Schulen bei einem ganztägigen Schul- und Betreuungsbetrieb geben?
Im wesentlichen kann die Stadt nur dafür sorgen, dass die für einen Ganztagsbetrieb notwendigen Räume geschaffen werden. Dies ist angesichts sinkender Schülerzahlen auch realistisch zu leisten. Außerdem sollte über die Einrichtung und den Betrieb von Schulkantinen nachgedacht werden (siehe 12).
Personal kann die Stadt derzeit nicht bezahlen, das heißt ein ganztägiger Schul- und Betreuungsbetrieb ist ohne den Rahmen des Landes aus eigener Kraft nicht zu erreichen, selbst wenn man auf ehrenamtliches Engagement setzt. Sollte dies wider Erwarten doch in greifbare Nähe rücken, unterstütze ich selbstverständlich jegliche Bemühungen in diese Richtung. Für eine wirklich tragfähige Lösung wäre es jedoch notwendig, dass eine vernünftige Finanzierung des Personals durch das Land stattfindet.
11. (siehe 6.)
12. Welche Möglichkeiten sehen Sie eine Mittagsversorgung für Schülerinnen und Schüler zu realisieren?
Wenn eine "kritische Masse" hinsichtlich der Schülerzahl, die das Essen in der Schule einnehmen überschritten wird, sind je nach vorhandenen Räumlichkeiten in der Schule mehrere Varianten denkbar: Das Essen kann von einer anderen Großküche in der Stadt (nicht notwendig in städtischer Hand) bezogen werden oder vor Ort durch einen Kantinenbetrieb zubereitet werden. - Sinnvoll ist diese Entscheidung aber erst nach genauerer Untersuchung der tatsächlichen Verhältnisse zu treffen, vor allem muss die Voraussetzung erfüllt sein, dass es eine dauerhaft kalkulierbare Zahl von Essern gibt (also wohl nur in Verbindung mit "ganz"-tätigen Schulbetrieb).
Grundsätzlich wird sich die Stadt hier an die Bedingungen anpassen müssen, die das Land gestaltet. Dazu sollte sie aber relativ leicht in der Lage sein.
13. Wie stehen Sie zu Werbung an Schulen?
Zu unterscheiden ist Werbung und Sponsoring. Gegen eine Tafel auf der die Sponsoren der Schule alle in gleicher Art und Weise aufgeführt sind, ist nichts einzuwenden. Eine etwaige Trikotwerbung z.B. lehne ich aber ebenso klar ab wie Werbung für Gebrauchs- und Konsumgüter. Das Partner von Veranstaltungen durch diese Veranstaltung für sich werben halte ich für vertretbar. Ansonsten aber gehört Werbung in der Schule in den Sozialkunde- und Kunstunterricht.
14. Welche Unterstützung können Sie den Schulen bei der sinnvollen, altersgerechten Möblierung der Klassenzimmer leisten?
Außer mehr Geld für eine Möblierung keine. Über die Anschaffung und Verteilung der Möbel muss "die Schule" (also Lehrer, Schüler, Hausmeister) in Zusammenarbeit mit dem Schulamt selbst entscheiden.
15. Welche Geräte würden Sie sich auf einem Schulhof und in Pausenräumen wünschen?
Diese Frage hat definitiv den falschen Adressaten. Denn nicht die Ansichten eines Bürgermeisters sind für die Schulhofgestaltung wichtig, sondern die der Schüler. Zusätzlich, aber sehr zurückgenommen, auch die Ansichten von Pädagogen/Psychologen. Ein Modell für die Planung der Schulhöfe durch Schüler kann und sollte die Erfahrung der Stadtjugendpflege mit der Spielplatzgestaltung durch Kinder sein. Dies kann die Stadt sicher unterstützen.
2006-06-25